Abgeschrieben von Hubert Grassmann, hgrass@mathematik.hu-berlin.de Traurige Ballade von den eifersuechtigen Kegeln (Kurd Lasswitz, um 1900) [zu singen nach der Melodie: Es war ein Koenig in Thule] Es waren einmal zwei Kegel, die liebten sich bruederlich, sie sassen auf gleicher Achse und kuessten am Scheitel sich. Da kam eine Ebne gefolgen, so glatt, wie Ebenen sind; es zog sie in seine Seite der eine Kegel geschwind. Parallel zu einer Seite streckt sie sich zaertlich her -- es freut sich der Parabel der lustige Kegel sehr. Doch leider dem Scheidungskegel bedenklich die Sache schien; es konnte die holde Ebne ach, niemals schneiden ihn. Er sprach zu ihr mit Schmeicheln: "O komm in meinen Arm! Neig dich zu mir, du Stolze! Mein Mantel ist weich und warm." Die Ebne hoerte es gerne, sie war ein wenig kokett, und dachte, so eine Hyperbel, das macht sich doppelt nett. Nun schnitt sie die Kegel beide; das ging so kleine Zeit; bald brachte die hitzigen Brueder die Eifersucht in Streit. Sie drueckten an ihrer Achse, zerstiessn die Scheitel sich, und an der betoerten Ebne rissen sie fuerchterlich. Die schrie: "Ich Ungluecksel'ge! Ihr dreht zu weit mich herum! So werd ich ja zur Ellipse! Das Endliche find ich so dumm." Die Kegel wollten nicht hoeren, sie zerrten sie nach der Mitt', und kleiner wurde und kleiner der schoene Kegelschnitt. Und zwischen den wuetenden Kegeln, -- o weh! laut gellt ein Schrei -- die Ebne geht durch den Scheitel, da wars mit dem Schneiden vorbei. Zwei zerissene Kegelmaentel, auf ewig beide getrennt, und ein verschrumpeltes Puenktchen -- das war das grausige End'.