Berliner Netzwerk mathematisch-naturwissenschaftlich profilierter Schulen

Das Berliner Netzwerk mathematisch naturwissenschaftlich profilierter Schulen wurde am 05.09.2001 mit der Unterzeichnung einer Zielvereinbarung (die hier als Kopie des Originals wiedergegeben ist) zwischen der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, dem Vizepräsidenten für Lehre und Studium der Humboldt-Universität sowie dem Institut für Mathematik offiziell gegründet. Mittlerweile gehören dem Netzwerk fünf Gymnasien an, und die Zielvereinbarung wurde zuletzt 2026 durch eine Rahmenvereinbarung zwischen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, den fünf Schulen sowie der Humboldt-Universität erneuert und an die aktuellen Bedingungen angepasst.
Der Grundstein für das Netzwerk wurde schon 1997 mit der Einrichtung mathematischer Spezialklassen an der Andreas-Oberschule gelegt, in denen der Mathematikunterricht von Hochschullehrern des Instituts und Mathematiklehrern gemeinsam erteilt wurde. Damit begann eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschulen im Berliner Raum.
Netzwerkschulen
Gegenwärtig gehören zum Netzwerk folgende Schulen:
Die Projekte des Netzwerks
Sommerschule
Bei der jährlich stattfindenden Sommerschule „Lust auf Mathematik“ treffen sich Schülerinnen und Schüler der Netzwerkschulen mit Mathematikerinnen und Mathematikern und beschäftigen sich intensiv in kleinen Gruppen mit einem mathematischen Problem.
Weitere Aktivitäten des Netzwerks
Neben der Sommerschule finden in jedem Jahr weiter Netzwerkativitäten statt, an denen Schülerinnen und Schüler der Netzwerkschulen teilnehmen.
Netzwerktag Mathematik
An dem Netzwerktag Mathematik treffen sich die Profilklassen der 9. Jahrgangsstufe in den Räumen der HU. In einer kurzen Vorlesung lernen sie die Theorie zur linearen Regression kennen und vertiefen diese in schulübergreifend gemischten Seminargruppen. Das Wissen wird anschließend zur Analyse von Klimadaten genutzt, und diese werden diskutiert. Der Tag wird mit einer thematisch passenden Vorführung im Planetarium abgerundet.
Physik-Challenge
Bei der Physik-Challenge treffen sich die Profilklassen der 8. Jahrgangsstufe aller Netzwerkschulen im Planetarium. Vor der Veranstaltung stellen alle Klassen in kleinen Gruppen Black-Boxen zusammen und untersuchen anschließend die Boxen der Partnerklassen. Am Tag der Physik-Challenge tauschen sie sich über ihre Ergebnisse aus und beenden den Tag mit einer Vorführung zu schwarzen Löchern.
Matheathlon
Beim ebenfalls jährlich stattfindenden Matheathlon wird Mathematik mit Sport verbunden. Lerngruppen der Netzwerkschulen treten in schulübergreifend gemischten Teams in einem mathematisch-sportlichen Wettkampf gegeneinander an. Dabei ist insbesondere Teamgeist gefordert. Die Kinder müssen hier sowohl auf dem Sportplatz laufen, als auch Matheaufgaben lösen. Für jede gelöste Aufgabe gibt es eine Zeitgutschrift. Gewonnen hat, wer nach Abzug der Gutschriften die beste Laufzeit erreicht hat.
Mathematisch-naturwissenschaftliches Profil
Mathematik in der Sekundarstufe I
Mathematik wird im Profilzweig der Netzwerkschulen in der Sekundarstufe I durchgängig mit mindestens fünf Wochenstunden unterrichtet. Dazu wurden 2017 Curricula beschlossen, die den Rahmen für die schulinternen Curricula der Netzwerkschulen bilden:
Mathematik in der Sekundarstufe II
Die Netzwerkschulen unterrichten seit dem Schuljahr 2001/2002 in den mathematisch-naturwissenschaftlich profilierten Klassen in der Sekundarstufe II nach einem modifizierten Rahmenplan. Dieser Rahmenplan wurde gemeinsam von Lehrerinnen und Lehrern der Netzwerkschulen und Mathematikerinnen und Mathematikern des Instituts für Mathematik der HU Berlin ausgearbeitet. und zuletzt 2018 (Analysis) bzw. 2009 (Lineare Algebra und Analytische Geometrie) aktualisiert.
Leistungskurs-Plus
In der Sekundarstufe II werden an den Netzwerkschulen der sogenannte Leistungskurs Plus und ergänzende Zusatzkurse angeboten. In den Ergänzungskursen werden die Inhalte eines gewöhnlichen Leistungskurses weiter vertieft und die Inhalte der Analysis I und der Linearen Algebra/ Analytischen Geometrie I erarbeitet.
Universitäre Leistungsnachweise für Schülerinnen und Schüler der Netzwerkschulen
Die immatrikulierten Absolventinnen und Absolventen der Netzwerkschulen, die festgelegte Mindestsummen von Punkten in den Plus-Leistungskursen, Zusatzkursen und in den Abiturprüfungen erreichen, erhalten nach bestandenem Abitur vom Institut für Mathematik der Humboldt-Universität die Leistungsnachweise für die beiden Vorlesungen Analysis I und Lineare Algebra/Analytische Geometrie I des Grundstudiums. Diese können an allen deutschen Hochschulen für alle in Frage kommenden Studienrichtungen (z.B. Mathematik, Physik, Ingenieurswissenschaften, ...) angerechnet werden. Die jeweiligen Punktsummen setzen sich zusammen aus den Leistungen der im ersten bis dritten Kurshalbjahr belegten Leistungskurse "Plus" und den Zusatzkursen in Analysis bzw. Linearer Algebra/Analytischer Geometrie sowie dem Ergebnis der schriftlichen Abiturprüfung.
Naturwissenschaftliches Profil
Im naturwissenschaftlichen Unterricht legen die Netzwerkschulen in allen Profilklassen besonderen Wert auf:
- Problem- und Projektorientierung
- Stärkung der Eigentätigkeit und selbstständiger Erarbeitung in Gruppen
- Verbindungen zu anderen Fächern
- tiefergehendes Verständnis insbesondere durch die erweiterten mathematischen Fähigkeiten und Fertigkeiten
Dies wird unter anderem durch Teilungsstunden und ein weites Angebot von Leistungskursen im MINT-Bereich ermöglicht.
- In den Jahrgangsstufen 5 und 6 ist das Fach Naturwissenschaften Kernfach im Sinne des § 31
Absatz 3 Sek I-Verordnung. - Der Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern umfasst in den Jahrgangsstufen 7 und 8 mindestens sechs, in den Jahrgangsstufen 9 und 10 mindestens sieben Wochenstunden. Die in der Stundentafel vorgesehenen Profilstunden werden vorrangig zur Erweiterung des Unterrichts in diesen Fächern eingesetzt. Mindestens ein Wahlpflichtkurs muss aus dem MINT-Bereich gewählt werden.
Abordnungen von Lehrkräften
Abordnungen von Lehrkräften der Netzwerkschulen an die Humboldt-Universität dienen dem Ziel, die Ausbildung in Schule und Universität durch enge Zusammenarbeit zwischen abgeordneten Lehrerinnen und Lehrern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu verbessern.
Dazu werden jeweils zwei Lehrkräfte der Netzwerkschulen für ein Jahr an die Humboldt-Universität abgeordnet, womit mehrere Ziele verfolgt werden:
- Die abgeordneten Lehrkräfte qualifizieren sie sich selbst weiter - vor allem für die Durchführung der profilierten Plus- und Zusatz-Leistungskurse, in denen Schülerinnen und Schüler Leistungsscheine für universitäre Erstsemester-Module erwerben können.
- Sie tragen zur Praxiswirksamkeit der universitären Lehrkräftebildung bei, u.a. durch Beteiligung an Seminaren innerhalb der Vorbereitung und Durchführung des Praxissemesters sowie Begleitung von Studierenden der Humboldt-Universität zu Berlin während des Praxissemesters.
- Sie erstellen die Aufgaben für den einheitlichen, von der Schulaufsichtsbehörde zugelassenen Eingangstest mit mathematischem Schwerpunkt.
- Sie beteiligen sich an der Organisation und Durchführung von Netzwerkaktivitäten wie der Sommerschule, des Netzwerktages, der Physik-Challenge und des Matheathlons.
- Sie konzipieren Fort- und Weiterbildungen für Berliner Lehrkräfte und führen diese durch.
- Sie organisieren Coachings für Quereinsteigende im Fach Mathematik.
Kooperationen und Förderungen
Die Anschubfinanzierung zum Aufbau des Netzwerks erfolgte durch die VolkswagenStiftung. Danach wurden Aktivitäten des Netzwerkes von der Robert Bosch Stiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall im Rahmen der Initiative think ING. gefördert. Aktuell fördern das Exzellenzcluster MATH+ (Berlin Mathematics Research Center), das Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS) sowie der Sonderforschungsbereich Transregio TRR 388 "Rough Analysis, Stochastic Dynamics & Related Fields" unser Netzwerk, konkret die jährlich stattfindenden Sommerschulen.
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